Durch die plötzliche Notwendigkeit von Remote-Arbeit erhalten wir viele Fragen zu verschiedenen Diensten für Online-Kommunikation und Video-Konferenzen. Wir haben in den letzten Jahren bereits einige Tools ausprobiert und evaluiert. Die wichtigsten Entscheidungsfaktoren für uns sind stabile Verbindung und Datensicherheit, beides wird durch Hosting des Kommunikations-Dienst auf einem eigenen Server deutlich verbessert.

Chat-Plattformen

Wer ausschließlich online mit anderen zusammenarbeitet, stößt schnell an die Grenzen des Mediums E-Mail. Die Flut an E-Mails zu unterschiedlichen Themen führt zu Postfach-Chaos und das Sortieren der E-Mails beansprucht unnötig viel Zeit. Die Alternative sind Messaging-Dienste, über die Personen aus einer Organisation direkt chatten oder sich in themenspezifischen Kanälen austauschen können.

MATTERMOST

Interne schriftliche Kommunikation findet bei uns über Mattermost statt. Mattermost ist open source und die Funktionen der Open-Source-Version sind für den üblichen Gebrauch absolut ausreichend. Das Hosting der App muss allerdings auf einem externen, also selbst betriebenen Server, erfolgen. Das bedeutet hohe Datensicherheit, kann jedoch für nicht-kommerzielle Gruppen eine finanzielle Hürde darstellen.

SLACK

Der priopriätere Messaging-Dienst Slack ist verhältnismäßig leicht integrierbar: Anmelden, Einloggen, Einladen. In der Gratis-Version ist die Chat-History auf 10.000 Nachrichten begrenzt, bei kontinuierlicher Online-Kommunikation überschreitet man das schneller als man denkt und wertvolle Information kann verloren gehen. Die Nachrichten werden außerdem immer in der Slack-Cloud gespeichert, Self-Hosting ist nicht möglich.

Konferenz-Dienste

Telko, Call, virtuelles Meeting, Vi-Ko oder einfach der Name des Dienstes - jede Organisation entwickelt ihr eigenes Vokabular und meint damit: online eine Besprechung abhalten. Abhängig von Zweck und Teilnehmer*innen-Kreis des Meetings reicht ein Voice-Only-Dienst oder werden zusätzliche Features wie Video oder Shared-Screen benötigt. Manche Tools arbeiten mit permanenten Räumen, in denen man sich jederzeit treffen kann, ähnlich wie im Büro, bei anderen muss man zeitlich begrenzte Meetings einrichten. Kennt man alle Personen und ihre Stimmen gut, kann ein Voice-Only-Dienst die Bandbreite schonen. Für interaktive Treffen im weniger engen Kreis ist hingegen Video-Übertragung bei der Kommunikation hilfreich.

JITSI MEET

Jitsi Meet ist ein open source Video-Konferenz-Dienst, immer gratis und sogar ohne Account benutzbar. Calls können mit einem Klick auf der Jitsi-Website oder direkt über den Aufruf einer URL eröffnet werden, die Übertragung erfolgt verschlüsselt. Jitsi Meet kann sowohl auf dem Jitsi-Server als auch extern gehostet werden. Wir hosten es beispielsweise selbst, um nicht von der Auslastung des Jitsi-Servers abhängig zu sein. Bei Calls mit bis zu 5 Personen funktioniert die Übertragung von Ton, Video und Screenshare sehr gut, am besten klappt es mit Chrome. Ab 6 Personen wird die Kommunikation aufgrund eines Bugs leider schwierig. Alle Personen im Call haben die gleichen Rechte und können zB Teilnehmer*innen hinzufügen/entfernen oder den Bildschirm teilen. Die Räume sind temporär, sie werden mit betreten der ersten Person geöffnet und schließen sich mit verlassen der letzten auch wieder.

MUMBLE

Ursprünglich als open source Voice-Only-Chat für Gaming entwickelt, etabliert sich Mumble dank Verschlüsselung und hoher Sprachqualität nun auch für allgemeine Online-Kommunikation. In der täglichen Benutzung zeigt sich das sehr konkret: Typische Telko-Situationen, in denen 2 Personen gleichzeitig zu sprechen anfangen, treten aufgrund der geringen Sprachverzögerung kaum mehr auf. Man kann Räume für bestimmte Zwecke anlegen und sieht auch, wer sich in diesen gerade aufhält. Die Benutzung erfolgt über Desktop-Client oder Telefon. Wir benutzen Mumble täglich - für alle Meetings ohne Screenshare oder Video - und betreiben es auf unserem eigenen Server.

BIGBLUEBUTTON

BigBlueButton ist eine Videokonferenz-Software für eLearning, dementsprechend viele Features sind hier vereint: Audio, Video, Screen-Share, Chat, virtuelle Tafel, Umfragen, Untergruppen und Aufzeichnungen sind möglich. Es kann immer nur 1 Person präsentieren, die Rechte können weitergereicht werden. Für interaktive Online-Kollaboration finden wir diese Open-Source-Lösung richtig gut. Die umfassende Funktionalität stellt jedoch sehr hohe Anforderungen an das Hosting und der dafür notwendige physische Server bedeutet zusätzliche Kosten. Leider ist der BigBlueButton-Server derzeit gut ausgelastet, man kann die Software für mehr Verbindungsstabilität und Datensouveränität jedoch auch selbst hosten. BigBlueButton wird über den Browser gestartet, eine Desktop-App ist nicht verfügbar.

DAILY

Wir haben Daily als (propriäteren) Dienst für Video-Konferenzen längere Zeit benutzt. Wir mochten die Idee, Meeting-Räume, die ständig und für alle zugänglich sind, benutzen zu können anstatt ständig zeitlich begrenzten Calls anlegen zu müssen. Außerdem ist eine Einwahl per Telefon möglich. Leider kam es immer öfter zu Problemen, man konnte sich gegenseitig nicht hören oder teilweise gar nicht erst einwählen. Außerdem wollten wir lieber einen Dienst, bei dem alle Teilnehmer*innen gleich sind – bei Daily kann der Host bestimmte Funktionen exklusiv benutzen. {>> Stimmt der letzte ?<<} Wir sind daher inzwischen auf andere Lösungen umgestiegen.

ZOOM

Einfache Bedienbarkeit und großer Funktionsumfang für kein bis wenig Geld machen Zoom zu einem der beliebtesten Dienste für Video-Konferenzen. Die Meetings laufen am Desktop-Client oder im Browser (Chrome) und die Qualität der Calls ist auch mit vielen Teilnehmer*innen stabil. Allerdings wird selbst bei abgestelltem Video viel Bandbreite verbraucht. Bezüglich Privacy möchten wir hinzufügen: End-2-End-Encryption gibt es bei Zoom nur für den Chat. Die Gespräche sind über den Transport Layer verschlüsselt (TLS) und somit zwar in der Übertragung sicher, können jedoch über den Zoom-Server abgerufen werden. Self-Hosting des Diensts wäre sicher, wird aber nicht angeboten. Was mit den gesammelten Konferenz-Daten passiert oder ob/wie diese von Zoom finanziell verwertet werden ist unklar.

WHEREBY

Zu einem gewissen Grad vereinigt Whereby die Vorteile von Daily.co und Zoom. Meetings finden im Browser statt, es gibt feste Meetingräume statt einzelne Meetings. Whereby lässt sich gut in bestehende digitale Arbeitsumgebungen eingliedern: Branding und die Verwendung einer eigenen Domain sind möglich, außerdem kann es in Drittdienste und den Kalender integriert werden. Außerdem könnte das Preismodell von Whereby für manche Organisationen im Vergleich zu Zoom interessanter sein.


Wir bieten Einrichtung und Hosting der oben genannten Dienste. Nehmen Sie einfach zu uns Kontakt auf.

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